Wiener Linien testen innovativen Pakettransport mit der Straßenbahn. | © Wiener Linien/Wöhringer
Testbetrieb in Wiens 22. Bezirk
Acht Wochen lang wird getestet, ob sich der Transport von Paketen mittels Straßenbahn als effiziente und umweltfreundliche Lösung für die sogenannte “letzte Meile” eignet. Der Pilotversuch findet im Norden Wiens statt. Speziell dafür entwickelte Paketboxen wurden an ausgewählten Haltestellen der Straßenbahnlinien 25 und 26 aufgestellt: Donauspital, Konstanziagasse und Hausfeldstraße. An der Haltestelle Kagran wird im Laufe der Woche eine weitere Box installiert.
Die Abwicklung erfolgt über die eigens entwickelte “Öffi-Packerl”-App. Nutzer*innen können über die Anwendung Routenanfragen stellen und erhalten eine Mitteilung, falls ein Paket entlang ihrer Strecke transportiert werden kann. Die Abholung und Abgabe der Sendungen erfolgen mittels QR-Code an den Paketboxen. Um die Mitnahme in der Straßenbahn praktikabel zu gestalten, wurden die Maße der Pakete begrenzt: Die maximale Länge darf 50 cm betragen, das Gewicht darf 5 kg nicht überschreiten.
Machbarkeitsstudie und technische Entwicklung
Die Grundlagen für das Projekt wurden bereits 2021 mit einer Machbarkeitsstudie gelegt. Eine Umfrage ergab, dass 90 Prozent der befragten Öffi-Nutzer*innen es begrüßen würden, Pakete an einer Haltestelle in ihrer Nähe abzuholen. 65 Prozent könnten sich sogar vorstellen, selbst Sendungen zu transportieren. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurden die technischen und logistischen Details weiter ausgearbeitet.
Neben der Entwicklung der App erfolgte eine detaillierte Analyse der Fahrgastströme, um geeignete Linien und Haltestellen zu identifizieren. Die Paketboxen wurden so konzipiert, dass sie mittels Solarenergie betrieben werden können und keinen zusätzlichen Stromanschluss benötigen.
Forschung und Finanzierung
Das Projekt “Öffi-Packerl: Entwicklung und Pilotierung eines Prototypen für die Abwicklung der letzten Meile im öffentlichen Verkehrssystem” wird vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) über die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) finanziell unterstützt. Die Leitung übernimmt die Fraunhofer Austria Research GmbH in Zusammenarbeit mit der TU Wien, netwiss OG, Wiener Linien, Österreichischer Post AG, Upstream – next level mobility GmbH, Variocube GmbH, GRT Spedition und Logistik GmbH sowie Malerei Großbötzl.
Mit dem innovativen Testlauf setzen die Wiener Linien einen wichtigen Impuls für die Verknüpfung von Personen- und Warentransport. Sollten sich die Ergebnisse als positiv erweisen, könnte das Konzept in Zukunft auf weitere Stadtgebiete ausgeweitet werden.